Edgar Bischof

Am 8. März stimmen wir über die Einführung der Individualbesteuerung ab. Was als Fortschritt verkauft wird, entpuppt sich als riskantes Experiment mit handfesten Verlierern.

Die Individualbesteuerung schwächt die Ehe als wirtschaftliche Gemeinschaft. Heute tragen Ehepartner Verantwortung füreinander. Künftig soll jeder für sich besteuert werden. Das belastet die Steuerbehörde AR mit 13’000 zusätzlichen Steuerdossiers.

Besonders problematisch ist das für Bauernfamilien und Gewerbetreibende. In Landwirtschaft und KMU arbeiten Ehepartner oft gemeinsam im Betrieb, teils ohne klar trennbare Einkommen. Zur grössten Herausforderung dürfte jedoch die Aufteilung des Vermögens sein, welches im Betrieb investiert ist. Die Individualbesteuerung schafft neue bürokratische Hürden, erhöht den administrativen Aufwand und verteuert unternehmerisches Engagement.

Für kleinere Kantone wie AR ist die Vorlage besonders heikel. Unser Wirtschaftsmodell ist geprägt von Familienbetrieben, Selbstständigen und Teilzeitmodellen. Eine Reform, die primär auf urbane Doppelverdiener zugeschnitten ist, passt schlecht zu uns. Zudem ist mit wiederkehrenden Kosten von bis 1.5 Mio. Franken jährlich für Personalaufstockungen beim Kanton zu rechnen.

Die Individualbesteuerung löst reale Probleme nicht, aber sie schafft neue. Darum lehne ich sie ab.

EDGAR BISCHOF, TEUFEN